Xavier Naidoo: die internalisierte Homophobie

Linksjugend [,solid] vs. Xavas: Die Jugendorganisation der Linkspartei hat mit einigem Mediengetöse die Musiker Xavier Naidoo und Kool Savas inkl. deren Plattenfirma angezeigt, und zwar wegen eines “Anfangsverdachts wegen eines Aufrufs zur schweren Körperverletzung und zum Totschlag und wegen Volksverhetzung” (Pressemitteilung der Linksjugend). Starker Tobak natürlich, Volksverhetzung. Naidoo, Savas und Fans gingen gleich in Abwehrhaltung, unter extrem dümmlichen Kommentaren auf Facebook veröffentlichten die beiden Musiker auf dem sozialen Netzwerk eine Erklärung, in der sie den Verdacht der Homophobie von sich wiesen.

Das Lied “Wo sind” (Textauszug ganz unten) beziehe sich nicht auf Schwule/Lesben, sondern auf Ritualmörder wie Dutroux und Co – Fälle, mit denen sich Xavier Naidoo nach eigener Aussage schon seit über zehn Jahren befasst. Gegen Homos haben beide nichts: Naidoo: “Ich stehe, seit ich denken kann, mit der katholischen Kirche auf Kriegsfuß, weil sie Schwule, Lesben und Transsexuelle nicht respektiert und akzeptiert. Diese Haltung ist völlig inakzeptabel.“ Savas: “Ich möchte klar stellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen, oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen. Ich hatte auch nie den Eindruck, dass die Textzeilen von Xavier falsch verstanden werden könnten.”

Tja, und genau Letzteres ist das Problem: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Naidoo und Savas meinten vielleicht nicht wirklich Schwule, als sie dichteten “Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?”, sie riefen nicht wirklich nach einem autoritären Regime, als sie “”Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, unsere Führer?” sangen – nur leider hört es sich genau so an.

Das Problem ist die internalisierte Homophobie: Naidoo und Savas halten sich für aufgeklärt und weltoffen, aber der Text zeigt, wie schwer sie zwischen Kindesmissbrauch und Homosexualität differenzieren können, oder zwischen einer gesellschaftlichen Anklage und einem Ruf nach einem Führer.

Ist das gleich Volksverhetzung? Es ist vor allem dumm. Für ein nachsichtiges “Er meinte es ja ganz anders” ist jemand wie Xavier Naidoo nun wirklich zu alt. Und es ist vor allem auch gut, das zu thematisieren anstatt Prominenten wie Naidoo solche Sprüche einfach durchgehen zu lassen:

„Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?

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