Kanada-Metal, Turk-Pop und Remix-Schrott gegen Tinnitus

Es hörte sich auch zu gut an: Tinnitus lindern durch frequenzgefilterte Lieblingsmusik? Sorry, mein Ton passt nicht so ganz ins Konzept. 10.000 Hertz hat der, sagt mir telefonisch eine freundliche Charité-Mitarbeiterin, wo sie mich mehrfach vermessen haben. Zu viel fürs Tinnitracks-Glück: Untersuchungen belegen nur eine Wirksamkeit bis 8.000 Hertz. Das ist auch schon ein verdammt hoher Ton:

Bei mir klingt es eher so:

Ungefähr jedenfalls. Alles nicht so einfach.

Tinnitracks kann nichts versprechen, bestätigt mir Mitgründer Jörg Land im persönlichen Gespräch. Aber probieren kann man es ja mal: Um die Therapie zu starten, muss man eigene Musik hochladen, das ist ja das Charmante daran: (gefilterte) Lieblingsmusik hören, dabei den Tinnitus therapieren. Es gibt nur das Problem mit der Funktionsweise: bei der hochgeladenen Musik wird die eigene Tinnitus-Frequenz runtergefahren, die direkt angrenzenden Frequenzen hochgefahren. Da muss natürlich genug Tonmaterial in den entsprechenden Frequenzen in der Musik sein, damit das überhaupt funktioniert. Bei 10.000 Hertz ist das nicht so einfach.

Von der Musik, die ich hochlade, erweist sich 90 Prozent als ungeeignet. Ich lade hoch, was meine Festplatte zu bieten hat, Klassik fällt komplett durch, der meiste Indie-Rock auch, eher ruhige Musik wie Leonard Cohen oder Johnny Cash ebenfalls. Von Marilyn Manson eignen sich ganze zwei Songs, Weezer hat eine etwas bessere Quote, Peaches ebenfalls. Pop-Schrott wie Abbas “Dancing Queen”, Kylie Minogues “The One” und Sam Sparros “21st Century Life” gehen durch, teilweise in fiesen Remix-Versionen, aber will ich das jeden Tag zwei Stunden in Schleife hören? Was macht das überhaupt auf meinem Rechner? Ähnliche Überraschungen bei einem Ordner mit türkischer Pop-Musik, den mir irgendjemand am 30. Juli 2011 überspielt haben muss – so heißt jedenfalls der Ordner. 19 Songs haben genug Frequenz. Ebenso das komplette Album “Juggernaut of Justice” der kanadischen Metal-Band Anvil, von dem ich keine Ahnung habe, wie es auf meiner Festplatte landen konnte. Aber es scheppert ordentlich. Für Abwechslung ist gesorgt.

One Comment

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *