Facebook schafft sich ab

Auch Facebook ist nur ein vorübergehendes Phänomen. Noch vor ein paar Tagen war ich anderer Meinung: Das größte soziale Netzwerk schien mir too big to fail, zu sehr schien es als Kommunikationsmittel und Community in den Alltag zu vieler Menschen integriert. Es vereinigt Blogfunktion, Empfehl-Websites, Email-Angebot und Mailinglists und befriedigt nicht den menschlichen Selbstdarstellungsdrang.

Doch Facebook hat schon lange ein Problem: Es macht kein Geld. Millionen Menschen hinterlassen ihre persönlichen Daten und Vorlieben in einem zuvor ungeahnten Umfang bei Facebook,  aber die Website hat es einfach nicht geschafft, damit in befriedigendem Maße Gewinn zu ziehen. Nun sollen die User ran, auch die kleinen: Wenn sie wollen, dass ihre Statusmeldungen von allen ihren Freunden gelesen werden, müssen sie ein “Promoted Post” kaufen, für ein paar Euro. Ansonsten kriegen es nur eine Handvoll, die vom Facebook-Algorithmus bestimmt werden.

Damit schafft Facebook sein eigenes Erfolgsmodell ab. Wenn nicht mehr alle meine Freunde das lesen können, was ich dort schreibe, warum soll ich es dann überhaupt schreiben? Warum sollte ich es einem Computerprogramm überlassen, was meine Freunde von meinen Einträgen lesen können? Noch existenzieller ist es für Bands, öffentliche Personen oder Blogs, die ihre News via Facebook an ihre Fans schickten. Nun können sie nicht mehr sicher sein, dass diese die News überhaupt zu Gesicht bekommen. Das Blog Dangerous Minds hat Userdaten ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis,  dass Klickraten selbst bei steigenden Fan-Zahlen rückläufig sind – eben weil die Einträge nicht promoted wurden.

Erste Abwanderungserscheinungen gibt es schon. Die Musikerin Karo schreibt: “Ihr werdet wahrscheinlich bald von mir ne Nachricht bekommen, in der ich euch bitte, meinem Email-Newsletter beizutreten… Nur so als Vorwarnung, falls ihr das überhaupt seht.”

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