Das Kopftuch-Verbot ist falsch

Die Meldung: Der christliche Träger eines Krankenhauses darf einer Krankenschwester den Dienst verbieten, wenn sie als Ausdruck ihrer Religion mit Kopftuch arbeiten möchte. Das entschied das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Quellen: zeit.de, sueddeutsche.de u.a.

Am religiös motivierten Tragen eines Kopftuches gibt es stichhaltige Kritik, aber im vorliegenden Fall geht es nicht darum, die Macht von Religionen im Alltag zu begrenzen oder Frauenrechte zu stärken, sondern welche Religion hier das Sagen hat: Es ist ein christliches Krankenhaus, also darf das hier nicht nach Islam aussehen! Eine Angestellte dürfe “sich nicht öffenlich zu einem anderen Glauben bekennen”, sagte der Anwalt der Klinik. Dabei hatte die Krankenschwester gesagt, es ginge ihr vor allem darum, ihre Haare zu bedecken. Sie bot an, das Häubchen einer christlichen Nonne zu tragen oder sich zur Intensiv-Schwester umschulen zu lassen, wo das Tragen von Kopfbedeckungen sowieso Pflicht ist. Doch beides hielt das Krankenhaus für nicht zumutbar, und das Bundesarbeitsgericht in Erfurt folgte der Argumentation der Klinik-Anwälte: Kirchliche Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern grundsätzlich das Tragen anderer konfessioneller Symbole verbieten.

Angesichts der Kompromissvorschläge der Krankenschwester ist das alles andere als pragmatisch oder kompromissorientiert. Ganz offensichtlich ging es hier darum, einen Präzedenzfall zu schaffen. Und es ist kein guter. Wenn sogar ein Häubchen aus der christlichen Tradition zu einem nicht genehmen Glaubensbekenntnis würde, wenn es auf dem Kopf einer Muslima sitzt, dann geht es hier nicht um Aussehen, sondern um die Gesinnung bzw. die Religion dahinter. Das geht zu weit.

Bild: “Woman of Malaysia at the Spring Fest 2009 in Moscow, Russia” von Zharif the Future Surgeon’s (cc2)

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